Frohe Weihnachten...?

Yay, Fest der Liebe, der Familie, des großen Fressens...

Weihnachten hat in diesem Jahr eine neue, tiefe Bedeutung bekommen, eine Bedeutung die ich festhalten will um vor Angst zu erbeben wenn ich in Zukunft daran denke, und sei es weil ich davon lese. Weihnachten, das bedeutet puren Wahnsinn. Ich weiss nur nicht wer es ist der wahnsinnig wird, meine Familie oder tatsächlich ich?

Weihnachten '06: Ein Tatsachenbericht

Beginnen sollten wir einen Tag vor der Tragödie, denn bekanntlich fängt schon bei den Vorbereitungen alles an.

23.12.2006

Um 10 aus dem Bett gekrochen ließ mich ein Blick in den Spiegel erschaudern, auch wenn es am bebenden Boden liegen konnte, denn mein Brüderchen hatte Musik aufgelegt und der Bass war aufgedreht. Meine Schritte führten mich in Tranceartigem Zustand gen Küche und ich konnte noch keinen Finger an die Kaffeemaschiene legen, als mein name schon gebrüllt wurde. Als enormer Morgenmuffel übertönte ich prompt den Bass mit meiner krächzend heiseren Stimme (ich schien was auszubrüten) woraufhin die Musik gedämpft und ich der dringend nötigen Tasse Kaffee überlassen wurde.

Offenbar musste Muter ins Krankenhaus, Dienst, einen Tag vorm Fest ist was feines. Zumindest saß ich also hochzufrieden am Esstisch und schlürfte meinen Kaffee, ging anschließend noch auf die erste Zigarette hinaus und duschte dann ausgiebig. Als ich mich wieder halbwegs human fühlte und auch mein Aussehen wieder so empfand, war von Mutter und großem Bruder (28 Jahre) nichts zu sehen. Gleichgültig wie ich bin wollte ich grade eben hinauf zum PC, als mein Handy klingelte.

Ganz das brave Kind nahm ich Mutters Anweisungen ohne Murren entgegen und machte mich daran den Kühlschrank auf Lebensformen zu untersuchen, die die NASA interessieren könnten, um das Weihnachtsgeld aufzustocken. Anschließend wurde die Bude ausgemistet und von den beiden anderen Kreaturen: keine Spur. Frohen Mutes konsumierte ich mehr Nikotin sowie Koffein, bis sie schließlich mit einem Baum und dem Ständer dazu aufkreuzten. Ich wusste nicht, dass es Weihnachtsbaumständer gibt die Piepen wenn man zu viel Wasser einfüllt, dieser zumindest tat es und das auch wenn er absolut kein Wasser hatte. Dass der Baum zu groß für den Raum war muss ich nicht erwähnen, oder? Aber da es bislang recht human zuging, Mutter die Innerein fröhlich aus dem Karpfen pulte und mir mit einem Grinsen in die sorgfältig manikürten Hände drückte, war ich frohen Mutes, dass es dieses Jahr schön werden könnte. An das Pfeifen hatte ich mich fast schon gewöhnt, Bruder überzeugte Mutter das Ding umzutauschen und ich hatte Fischgedärme die ich... wegwerfen durfte.

Der seltsame Teil begann gegen Abend, als Brüderchen alles, inklusive Tisch aus dem Esszimmer räumte. Vor etwa eineinhalb Monaten hatte er zusammen mit einem Freund im Esszimmer die hässlichen Holzoptik-Deckenverkleidungen abgerissen und Gipskartonplatten an deren Stelle gesetzt. Sie sollten jetzt weiß gestrichen werden, was mir etwas seltsam vorkam. Während ich mit Mutter also tote Tiere und Pflanzen weiter zurichtete, war er dabei die Decke glatt zu schleifen und die Grundierung aufzulegen. Um Mitternacht fand das Spektakel seinen Höhepunkt, als er Vertonungen von Rilkes Gedichten voll aufdrehte um die nach Lösungsmittel stinkende Grundierung aufzutragen. Ich war fasziniert und entsetzt zugleich, das ganze hatte etwas schaurig beeindruckendes.

Bewegt von dieser Impression ging ich zu Bett, mich vorher noch ins Dachfenster setzend um die letzte Zigarette zu rauchen. Über die Feiertage, so der Plan, gibt es kein Nikotin, der Familie zuliebe.

tbc

 

PS: kleines Foto vom 24.

25.12.06 15:30

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